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Am 21. Oktober erreichte der erst in diesem Jahr entdeckte Komet C/2025 A6 (Lemmon) seinen erdnächsten Punkt:
89 Millionen Kilometer - also etwas mehr als die Hälfte der Entfernung zwischen Erde und Sonne. Er hatte dabei
eine scheinbare Helligkeit von ungefähr 5 mag - so hell wie die dunkelsten Sterne, die wir in der Nacht gerade
so noch mit bloßem Augen erkennen können. Da der Komet aber nur am frühen Abend und nicht sonderlich hoch über
dem Westhorizont unterwegs war, wurde für die Sichtung ein Fernglas benötigt. Dafür war er aber recht einfach
aufzufinden und zeigte sich als auffällig verwaschenes Fleckchen.
Ihn zu fotografieren war aufgrund des aufgehellten Himmels (starke Lichtverschmutzung in den frühen Abendstunden)
sowie der jahreszeitbedingten Gemengelage (Wolken und Nebel) - sowie auch noch teils kräftiges Airglow (an für
sich eigentlich eine schöne und spektakuläre Erscheinung) - sehr herausfordernd.
Los geht's mit einer Teleskop-Detailaufnahme vom 21. Oktober. Zu erkennen ist der sehr helle weißlich
wirkende Kern, der von einer - perfekt runden - grünleuchtenden nebulösen Hülle umgeben ist - der Koma:
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Innerhalb dieser kreisrunden grünen Blase scheint es zwei Richtung Sonne (nach unten) gerichtete Bugwellen zu geben.
Wenn man etwas "zurückzoomt", zeigen sich die beiden Schweife des Kometen: der aufgefächerte gelb-bräunliche
Staubschweif, und der schmalere grau-bläuliche Ionenschweif:
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Die verschwommenen kurzen Streifen im Foto (leicht schräg nach rechts oben verlaufend) sind übrigens Sterne.
Der Komet zeigt - aus unserer Perspektive betrachtet - eine schnelle scheinbare Bewegung am Sternenhimmel.
Wenn man das Bild (bzw. die Bilder) am Komet ausrichtet (dem Kometen quasi "folgt"), verschieben sich die
Sterne im Hintergrund. Und die langen vertikalen Streifen (links vom Kometen) sind Satellitenspuren.
Die Satelliten rauschen tatsächlich schnell vorbei.
Wenn man etwas weiter "zurückzoomt", zeigt sich die Trennung des Ionenschweifs (links) und des Staubschweifs (rechts):
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Und belichtet man länger (wodurch die Sterne wieder Streifenspuren bilden), treten die beiden Schweife und
deren Farben etwas besser in Erscheinung:
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Ein Tag später - am 27. Oktober (wir hatten nun Winterzeit) - wurden Aufnahmen mit einen recht kurzen Teleobjektiv
angefertigt, um die Länge des Ionenschweifes zu bestimmen:
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Entfernt man per Software die Sterne aus dem Bild und erhöht den Kontrast und die Sättigung, springt der weitere
Verlauf des Ionenschweifs besser ins Auge. In der Bildmitte zeigt er eine Verwirbelung, und der Schweif wird
danach zwar schwächer, aber es lässt sich erkenne, daß er bis zum oberen Bildende reicht, womit er rund 12° lang
ist (24 Mal so lang wie der scheinbare Durchmesser des Mondes):
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Tatsächlich dürfte der Ionenschweif noch weiter gereicht haben.
Am 7. November, als Idstein im Nebel versunken war, aber der Feldberg ausnahmsweise nicht im Nebel stand,
konnte C/2025 A6 ein letztes Mal fotografiert werden:
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Auf der rechten Bildseite ist dabei ein Kugelsternhaufen - Messier 10 (kurz: M10) - zu sehen. Und auf der linken
oberen Bildecke - genau an der Stelle, wo der difusse Ionenschweif verläuft - ist ein zweiter (etwas unauffälliger)
Kugelsternhaufen zu sehen: Messier 14 (kurz: M14).
So bald werden wir C/2025 A6 (Lemmon) nicht wieder sehen: seine Umlaufbahn beträgt nämlich mehr als 1000 Jahre.
Fürs Erste war's also ein "one in a lifetime" Ereignis.
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