Das doppelte Purpurlicht
Beitrag: 31. Dezember 2025
Ereignis: 26-30. Dezember 2025
 
 
Der Dezember brachte dieses Jahr überraschend viele wolkenfreie Tage und der Himmel zeigte ab dem 2. Weihnachtsfeiertag intensive Farbenspiele in der Morgen- und Abenddämmerung, insbesondere in Rosa-, Violett- und Purpurtönen:
 
 
Dabei handelte es sich um Purpurlicht, das üblicherweise morgens kurz vor Sonnenaufgang bzw. abends kurz nach Sonnenuntergang beobachtet werden kann. Das Purpurlicht ist besonders intensiv, wenn sich Vulkanasche oder Asche von Waldbränden in der Stratosphäre befindet, bei rund 15 bis 50 km Höhe. Tatsächlich ist der Vulkan Ätna in Italien seit Heiligabend am Brodeln und hat in den Folgetagen Aschewolken in große Höhe katapultiert.

Das Purpurlicht tritt normalerweise auf, wenn sich die Sonne 2° bis 6° unter dem Horizont befindet, also während der bürgerlichen Dämmerung. Wenn die Atmosphäre eine hohe Transmission (Lichtdurchlässigkeit) aufweist und die stratosphärische Aerosolschicht - z.B. nach einem Vulkanausbruch - besonders stark ist, tritt zudem ein Nachpurpurlicht auf, wenn die Sonne wesentlich tiefer gesunken ist, was in diesen Tagen tatsächlich auftrat:
 
 
Die Sonne befand sich dabei rund 10° unter dem Horizont. Wie man sieht, war der Himmel von Schleierwolken verhangen. Dabei handelt es sich um recht transparente Wolken in einer Höhe von typischerweise 6 bis 10 km. Das Phänomen trat allerdings auch dann auf, wenn es keine Schleierwolken gab, z.B. am Folgetag:
 
 
Wenn man beide oberen Fotos vergleicht, erkennt man, daß die Schleierwolken die Färbung intensiver erscheinen lassen. Man könnte also sagen, daß der Effekt bei klarem Himmel schwächer ausfällt. Dies ist dann insbesondere während der bürgerlichen Dämmerung bei klarem Himmel zu erkennen. Dabei ist das Purpurlicht fast nicht zu erkennen:
 
 
Der Himmel wirkt dann einfach nur Blau, außer rechts im Bild - im Westhorizont, wo der Venusgürtel als schmaler rosafarbenen Streifen tief am Horizont zu erkennen ist, auf der gegenüberliegenden Seite der bald aufgehenden Sonne. Der Venusgürtel entsteht - wie auch das Purpurlicht - aufgrund einer Mischung von Streuungseffekten des Lichts.

Das Purpurlicht entsteht dabei durch eine Mischung von zwei Farben: das typische Blau des Himmels, und ein Rot durch Streuung des Lichts an Aerosolen in der Stratosphäre. Aus Blau und Rot ergibt sich dann der Purpur-Eindruck, was man durch Farbmischung darstellen kann:
 
 
Konkret entsteht das Blau des Himmels durch die Rayleigh-Streuung. Dabei wird das Licht durch die Luftmoleküle (insbesondere Sauerstoff und Stickstoff), die um ein Vielfaches kleiner als die Wellenlänge des Lichts sind, gestreut. Ein gerader Lichtstrahl wird also in alle Richtungen umgelenkt. Die Rayleigh-Streuung ist dabei umso stärker, je kürzer die Wellenlänge des Lichts ist: Blau hat dabei die kürzeste Wellenlänge und wird daher am Stärksten gestreut, danach folgt Grün und am Ende Rot mit der längsten Wellenlänge und damit der geringsten Streuung. Durch die stärkere Streuung der kurzen Wellenlängen gelangen dann vor allem die blauen Anteile des Sonnenlichts zum Beobachter (gleich wohin wir schauen), während das Licht mit größeren Wellenlängen (Grün und Rot) verstärkt in gerader Richtung zwischen Sonne und Beobachter gelangen - da sie weniger streuen. Insgesamt erscheint daher der gesamte Himmel Blau.

Der für den Rotanteil des Purpurlichts zuständige Effekt ist die Mie-Streuung. Dabei müssen die Partikel in der Luft größer als die Wellenlänge des Lichts sein. Das ist bei Aschepartikeln der Fall. Das Licht wird dabei ebenfalls gestreut, allerdings hat die Wellenlänge des Lichts - anders als bei der Rayleigh-Streuung - nur einen geringfügigen Einfluss auf die Mie-Streuung: Blau, Grün und Rot werden also ähnlich stark gestreut. Da das Licht während der Dämmerung aus einem sehr flachen Winkel in die Atmosphäre eintritt, durchläuft es einen sehr langen Weg durch die Atmosphäre. Dabei werden die kurzen Wellenlängen (wegen der Rayleigh-Streuung) so stark gestreut, daß bevorzugt die roten Lichtanteile den Himmel über uns erreichen.

Schauen wir uns nun den Himmelsverlauf für den 22. November (als es fast kein Purpurlicht gab) an, sowie für den 27. und 28. Dezember (mit viel Purpurlicht). Jeweils eingeblendet wird eine Kurve zur Veranschaulichung der Sonnenhöhe und Kennzeichnung der drei Dämmerungsphasen.

Kurz zur Erklärung, was der Himmelsverlauf darstellt: dieser wird aus den laufenden Aufnahmen des Himmels erzeugt, indem ein ganz dünner vertikaler Streifen (aus der Bildmitte) herausgeschnitten wird. Die so entstehenden Streifen werden nach und nach rechts hintereinander zusammengelegt und ergeben so einen Fingerabdruck des Himmels im zeitlichen Verlauf. Die untere Kante des Verlaufs entspricht dem Südhorizont und die obere Kante dem Nordhorizont.

Nun zu den drei Himmelsverläufen:
 
 
Im ersten Bild sehen wir eine ganz leichte Purpurfärbung des Himmels nur im Bereich der bürgerlichen Dämmerung (Sonne weniger als 6° unter dem Horizont). Im zweiten und dritten Bild ist das Purpurlicht ausgeprägter, und zusätzlich auch während der nautischen Dämmerung (Sonne 6° bis 12° unter dem Horizont), sowie teilweise auch rein in die astronomische Dämmerung. Letzteres ist am Besten in der Morgendämmerung zu erkennen, da in der Abenddämmerung der letzten Dezembertage der Mond etwas störte (dadurch mischen sich im Himmel - wegen des Mondlichts und der Rayleigh-Streuung - mehr Blauanteile hinzu).

Wenn man nun die durchschnittliche Farbe des gesamten Himmels in Abhängigkeit vom Sonnenstand der Morgendämmerung dieser drei Tage (22.11, 27.12 und 28.12) untersucht, erkennt man besser, wann die Purpurfärbung beginnt und endet. Im folgenden Diagramm wird der Farbton in der vertikalen Achse eingetragen (er wird als Winkel angegeben, siehe Detailansicht der Wetterseite). Dabei ist ein höherer (Winkel-)Wert gleichbedeutend mit einer stärkeren Verschiebung von Blau auf Rot - und damit eine stärkeren Purpurfärbung. Der Sonnenstand wird in der horizontalen Achse dargestellt. Dabei bedeuten negative Werte, daß die Sonne unter dem Horizont steht und positiv Werte, daß sie über dem Horizont steht:
 
 
Aus dieser Auswertung können wir erkennen, daß das Nachpurpurlicht (man könnte es im Kontext der Morgendämmerung ein Vorpurpurlicht nennen) bereits beginnt, wenn sich die Sonne ca. 15,5° unter dem Horizont befindet. Es erreicht seinen Höhepunkt, wenn die Sonne sich ca. 10° unter dem Horizont befindet. Es lässt dann allmählich nach, bis die Sonne 6° (bei klarem Himmel) bzw. ca. 4° (bei Schleierwolken) unter dem Horizont steht, und dann das "normale" Purpurlicht eintritt. Dieses erscheint bei (leichter) lokaler Bewölkung am Stärksten, denn die dünne Wolkenschicht dient dabei quasi als Projektionsfläche für das Purpurlicht - ähnlich einer von Hinten bestrahlten Kinoleinwand.

Das Purpurlicht ist insgesamt ab Mitte der astronomischen Dämmerung bis kurz vor Sonnenaufgang nachweisbar, nur daß sich je nach Einfallswinkel der Sonne die Blau- und die Rotanteile zueinander verschieben, und die Färbung sich laufend verschiebt.

Abschließend zwei Zeitraffer des Purpurlichts in der Morgendämmerung, das erste bei klarem Himmel und das zweite mit leichten Schleierwolken:

→ Video des 28.12.2025
→ Video des 27.12.2025

 
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