Die Idsteiner Trinkwasserampel
Beitrag: 20. August 2026
Überarbeitung am 11. September 2026
 
 
Nach ca. 6 Wochen Dürrezeit ist - gegen Mitte August 2026 - die Trinkwasserampel der Stadt Idstein "endlich" auf Gelb gesprungen. Der aktuelle Status kann auf der → Startseite der Stadt Idstein eingesehen werden: im Kasten Wasserampel, wenn man etwas nach unten scrollt. In einer dort verlinkten → Unterseite kann eingesehen werden, was die verschiedenen Ampelphasen bedeuten. Außerdem werden dort ganz allgemeine Empfehlungen zum Wassersparen aufgelistet.

Aktuelle Umsetzung in Idstein
Leider ist die Umsetzung der Idsteiner Wasserampel meiner Meinung nach weniger gut gelungen. Das betrifft sowohl die Platzierung der Ampel in der Startseite (sie wäre oben in der Titelleiste besser aufgehoben), als auch Design und Inhalt der Unterseite. Die relevanten Handlungsempfehlungen in der Unterseite sind hinter kryptisch langen Titeln (ohne Kennzeichnung der jeweiligen Ampelphase) versteckt, die einzeln aufgeklappt werden müssen. Die beim Aufklappen erscheinenden Texte enthalten zudem irreführende Formulierungen. So wird in der gelben und roten Ampelphase von Verboten gesprochen, obwohl rechtliche Grundlagen für die Durchsetzung der genannten Verbote fehlen. Zudem werden Wasserampelphasen inhaltlich mit den Aspekten des Trinkwassernotstands vermischt, obwohl im → Best-Practice-Leitfaden des Landes Hessen explizit davon abgeraten wird.

Wasserampel ist ein Appell
Anders als es die Formulierungen der Stadt Idstein suggerieren, handelt es sich bei der Trinkwasserampel um ein reines Informationssystem, das Appelle zum Wassersparen an die Bevölkerung richtet, um dem Eintritt eines Trinkwassernotstands vorzubeugen. Das Befolgen der Appelle unterliegt daher der Freiwilligkeit. Allerdings ist die Wasserampel ein sehr wichtiges Instrument - genau zur Vermeidung jener Trinkwassernotstände, die mit weitreichenden Einschränkungen in der Tinkwasserbereitstellung einhergehen - inkl. Sperrzeiten. Es sollte daher im Eigeninteresse jeden Bürgers liegen, seinen Beitrag zur Vermeidung des Trinkwassernotstands zu leisten.

Motivation dieses Beitrages
Die Wasserampel kann ihre Wirkung allerdings nur dann entfalten, wenn sie gut öffentlich bekannt ist und die Informationen klar, verständlich und transparent kommuniziert werden. Daher möchte ich mit diesem Beitrag helfen die Wasserampel bekannter zu machen, sie besser zu verstehen und anregen sie auch zu nutzen. Da auch rechtliche Aspekte berührt werden, verstehen sich alle Angaben ohne Gewähr.

Ampelphasen
Die Wasserampel besitzt normalerweise drei Stufen: Grün, Gelb und Rot. Dazu hat die Stadt Idstein eine vierte Variante mit drei roten Ampelleuchten hinzugemischt, die den Trinkwassernotstand signalisieren sollen. Wie gesagt, ist das eigentlich keine gute Idee, aber das ist nun mal der Ist-Zustand, und die Stadt hat mit ihrer Entscheidung zur Ausrichtung des Hessentags 2027 erstmal andere Prioritäten.

Grüne Phase
Grün ist der Normalzustand, wenn laut den Berechnungen der Stadt bzw. des Wasserwerks der Bedarf im Versorgungsgebiet gut durch die Fördermenge und dem sonstigen Fremdwasserbezug gedeckt werden kann. Aber auch in diesem normalen Zustand ist die Stadt gemäß → § 36 des Hessischen Wassergesetzes (HWG) verpflichtet, die Bevölkerung und auch die Gewerbebetriebe regelmäßig auf einen rationellen und sparsamen Umgang mit Trinkwasser hinzuweisen. Dabei bedarf es sicherlich mehr proaktivem Handeln durch die Stadt, als nur das bloße Bereitstellen einer Wasserampel und der zugehörigen Informationsseite.

Gelbe Phase
Gelb ist die erste Warnstufe. Sie tritt nach derzeitiger Festlegung dann ein, wenn der Trinkwasserverbrauch Idsteins an drei aufeinanderfolgen Tagen über 4000 Kubikmeter (pro Tag) lag und der Füllstand der sogenannten Hochbehälter über Nacht einen gewissen Prozentwert unterschritten hat. Dazu muss man wissen, dass diese Hochbehälter eine bestimmte Größe haben, und sie laufend durch die Förderung von Grundwasser befüllt werden, sowie durch den Bezug von Fremdwasser. Allerdings ist die Fördermenge aufgrund der Anzahl der Förderstellen begrenzt, weshalb ein konstant erhöhter Verbrauch zu einem Ungleichgewicht führt.

Die gelbe Warnstufe gilt als Appell an die Bevölkerung, mit tiefergreifenden Maßnahmen zum Wassersparen zu beginnen. Dabei richtet die Stadt Idstein die dringende Bitte an alle Bürger, Gärten nur noch beschränkt zu bewässern, Gebäude, Terrassen und Fahrzeuge nicht mehr zu reinigen, und Pools sowie Zisternen und Wasserspeicher nicht mehr zu befüllen. Über die Auswahl kann sicherlich gestritten werden (z.B. Pool genauso wichtig wie eine Zisterne), aber der beabsichtigte Grundsatz wird sicherlich erkennbar, nicht dringend benötigte Wasserverbräuche zu vermeiden und insbesondere auf große Wasserentnahmen zu verzichten.

Wichtig zu beachten ist, dass vor der Befüllung eines Pools mit einem Fassungsvermögen von über 2 Kubikmetern - unabhängig von den Ampelphasen - eine Zustimmung bei der Stadt einzuholen ist. Hierzu stellt die Stadt eine mobile Bereitschaftsnummer zur Verfügung.

Rote Phase
Rot ist die zweite Warnstufe. Sie tritt ein, wenn an drei aufeinanderfolgen Tagen über 4500 Kubikmeter (pro Tag) lag und der Füllstand der Hochbehälter über Nacht einen etwas tieferen Prozentwert als bei der gelben Phase unterschritten hat. Anders als eine Ampel im Straßenverkehr bedeutet sie jedoch keinen vollständigen Stopp, sondern ist als "5 vor 12" zu verstehen - also die letzte Gelegenheit zum (freiwilligen) Handeln, bevor es dicke kommt. Sie gilt also als dringender Appell, den Wasserverbrauch so stark wie möglich zu reduzieren. Dabei soll nach den Vorstellungen der Stadt Idstein - zusätzlich zu den Maßnahmen der gelben Phase - komplett auf die Gartenbewässerung verzichtet werden (ausgenommen einer moderaten Bewässerung von Neuanpflanzungen), und auch aus Standrohren soll kein Wasser mehr entnommen werden. Ein Standrohr ist dabei ein mobiles Gerät, das an einen Wasseranschluss im unterirdischen Rohrsystem (also dem sogenannten Unterflurhydranten) temporär verbunden wird, um an Orten ohne festen Wasserhahn schnell große Mengen Leitungswasser zu entnehmen. Solche Standrohre kommen z.B. bei Baustellen, Straßenfesten oder der Landwirtschaft zum Einsatz, und natürlich auch bei der Feuerwehr (wobei hier ersichtlich sein sollte, dass das Löschen eines Brandes Vorrang vor dem Wassersparen hat).

Trinkwassernotstand
Sowohl bei Gelb als auch bei Rot handelt es sich wie gesagt hauptsächlich um Appelle an die Bevölkerung, und nicht um Verbote (wohl ausgenommen die anmeldepflichtige Poolbefüllung). Die Nichteinhaltung der meisten dieser Verbote kann - nach gegenwärtigem Kenntnisstand - daher nicht mit Bußgeldern geahndet oder anderweitig durchgesetzt werden. Solche Verbote gelten nämlich erst bei einem Trinkwassernotstand - also hier in Idstein wenn die Wasserampel drei rote Leuchten anzeigt. Die dann geltenden Verbote sind rechtlich durch die Gefahrenabwehrverordnung der Stadt Idstein über die Einschränkungen des Verbrauchs von Trink- und Brauchwasser bei Notständen der Wasserversorgung gedeckt. Dieses Dokument mit dem sperrig langen Namen trägt die Nummer 310 und ist auf der städtischen Seite unter → Recht, Sicherheit und Ordnung auffindbar. Ein Blick in das Dokument wird empfohlen, um sich ein Bild über die Situation im Trinkwassernotstand zu machen.

Trägheit des Wasserkreislaufs
Wichtig zu wissen ist, dass die Ampelphasen weitestgehend losgelöst von neuen Regengüssen reagieren. Hierzu muss man wissen, dass die entscheidenden Messgrößen für den Wechsel der Ampelphasen der Füllstand der Hochbehälter sowie der aktuelle Verbrauch durch Bevölkerung und Betriebe sind. Die Hochbehälter werden hauptsächlich durch die Förderung von Grundwasser befüllt. Und hier steckt der Flaschenhals: es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Entnahmestellen für Grundwasser, und pro Entnahmestelle kann nur eine bestimmte Menge pro Tag befördert werden. Unabhängig von der Pumpenstärke sind hier natürliche Grenzen gesetzt: an der Entnahmestelle entsteht ein sogenannter Absenkungstrichter, und das Grundwasser muss dort erst nachfließen, was ein träger Prozess ist.

Die Ampelphasen spiegeln daher nicht den gesamten Grundwasserspiegel Idsteins wider, sondern das Gleichgewicht zwischen direkt nutzbarem Trinkwasser in den Hochbehältern und dem aktuellen Verbrauch durch Bevölkerung und Betriebe.

NINA Warn-App
Wenn es zum Trinkwassernotstand kommt, soll die NINA Warn-App über den Zustand im jeweiligen Versorgungsgebiet informieren. Ob das tatsächlich klappt, muss sich freilich im Ernstfall noch zeigen. Leider fehlen aber die Vorwarnstufen der Wasserampel in NINA. Wenn die Meldung in NINA kommt, ist daher der Schaden bereits angerichtet.

Berechnungsgrundlagen
Wer Interesse hat zu erfahren, wie die Stadt bzw. Wasserwerke die jeweiligen Ampelstufen berechnen, findet die passenden Informationen in Anlage 1 zur Drucksache-Nr. 053/2023. Diese wurde vor ein paar Jahren der Stadtverordnetenversammlung als Beschlussvorlage vorgelegt. Das Dokument ist im Ratsinformationssystem der Stadt Idstein zu finden, dort am Einfachsten über die → Suchfunktion für Dokumente, indem man nach Wasserampel oder nach 053/2023 sucht.

Keine Veröffentlichung aktueller Messwerte
Dabei ist anzumerken, dass die Stadt Idstein auf die Veröffentlichung von aktuellen Zahlen zum Wasservorrat und Wasserverbrauch verzichtet, worunter meiner Meinung nach die Transparenz der Wasserampel etwas leidet. Dennoch darf man annehmen, dass die Schaltung der Wasserampel zeitnah und unter Beachtung der aktuellen Messwerte stattfindet, da es im Interesse der Wasserwerke liegen dürfte, die Sache nicht zu vertrödeln.

Das Ratsinformationssystem
Das oben erwähnte → Ratsinformationssystem, das im Grunde jede Stadt hat, ist übrigens eine gutes Kontrollinstrument für jeden interessierten Bürger, um sich über die Vorgänge in der Politik (der Stadtverordnetenversammlung) und teilweise auch der Stadtverwaltung (des Magistrats) zu informieren. Gerade wenn man sich in einen Fachgebiet gut auskennt, kann sich dieser Blick über die Schulter der Verantwortlichen unserer Stadt lohnen. Man sollte aber darauf gefasst sein, dass man dort auch Missstände entdecken könnte.

 
 
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