| Die Idsteiner Trinkwasserampel |
| Beitrag: 20. August 2026 |
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Aktuelle Umsetzung in Idstein
Leider ist die Umsetzung der Idsteiner Wasserampel meiner Meinung nach weniger gut gelungen. Das betrifft sowohl die
Platzierung der Ampel in der Startseite (sie wäre oben in der Titelleiste besser aufgehoben), als auch Design und
Inhalt der Unterseite. Die relevanten Handlungsempfehlungen in der Unterseite sind hinter kryptisch langen Titeln
(ohne Kennzeichnung der jeweiligen Ampelphase) versteckt, die einzeln aufgeklappt werden müssen. Die beim Aufklappen
erscheinenden Texte enthalten zudem irreführende Formulierungen. So wird in der gelben und roten Ampelphase von
Verboten gesprochen ("darf nicht" bzw. "ist untersagt"), obwohl es sich dabei rechtlich nicht um Verbote handelt.
Zudem werden Wasserampelphasen inhaltlich mit den Aspekten des Trinkwassernotstands vermischt, obwohl im
→ Best-Practice-Leitfaden des Landes Hessen
explizit davon abgeraten wird.
Wasserampel ist ein Appell
Anders als es die Formulierungen der Stadt Idstein suggerieren, handelt es sich bei der Trinkwasserampel um
ein reines Informationssystem, das Appelle zum Wassersparen an die Bevölkerung richtet, um dem Eintritt eines
Trinkwassernotstands vorzubeugen. Das Befolgen der Appelle unterliegt daher der Freiwilligkeit. Allerdings ist
die Wasserampel ein sehr wichtiges Instrument - genau zur Vermeidung jener Trinkwassernotstände, die mit
weitreichenden Einschränkungen in der Tinkwasserbereitstellung einhergehen - inkl. Sperrzeiten. Es sollte
daher im Eigeninteresse jeden Bürgers liegen, seinen Beitrag zur Vermeidung des Trinkwassernotstands zu leisten.
Motivation dieses Beitrages
Die Wasserampel kann ihre Wirkung allerdings nur dann entfalten, wenn sie gut öffentlich bekannt ist und die Informationen
klar, verständlich und transparent kommuniziert werden. Daher möchte ich mit diesem Beitrag helfen die Wasserampel
bekannter zu machen, sie besser zu verstehen und anregen sie auch zu nutzen. Da auch rechtliche Aspekte berührt werden,
verstehen sich alle Angaben ohne Gewähr.
Ampelphasen
Die Wasserampel besitzt normalerweise drei Stufen: Grün, Gelb und Rot. Dazu hat die Stadt Idstein eine vierte Variante
mit drei roten Ampelleuchten hinzugemischt, die den Trinkwassernotstand signalisieren sollen. Wie gesagt, ist das
eigentlich keine gute Idee, aber das ist nun mal der Ist-Zustand, und die Stadt hat mit ihrer Entscheidung zur
Ausrichtung des Hessentags erstmal andere Prioritäten.
Grüne Phase
Grün ist der Normalzustand, wenn laut den Berechnungen der Stadt bzw. des Wasserwerks der Bedarf im Versorgungsgebiet
gut gedeckt werden kann. Aber auch in diesem normalen Zustand ist die Stadt gemäß
→ § 36 des Hessischen Wassergesetzes (HWG)
verpflichtet, die Bevölkerung und auch die Gewerbebetriebe regelmäßig auf einen rationellen und sparsamen Umgang
mit Trinkwasser hinzuweisen. Dabei bedarf es sicherlich mehr proaktives Handeln durch die Stadt, als nur das bloße
Bereitstellen einer Wasserampel und der zugehörigen Informationsseite.
Gelbe Phase
Gelb ist die erste Warnstufe. Sie gilt als Appell an die Bevölkerung, mit tiefergreifenden Maßnahmen zum Wassersparen
zu beginnen. Dabei richtet die Stadt Idstein die dringende Bitte an alle Bürger, Gärten nur noch beschränkt zu
bewässern, Gebäude, Terrassen und Fahrzeuge nicht mehr zu reinigen, und Pools sowie Zisternen und Wasserspeicher
nicht mehr zu befüllen. Über die Auswahl kann sicherlich gestritten werden (z.B. Pool genauso wichtig wie eine Zisterne),
aber der beabsichtigte Grundsatz wird sicherlich erkennbar, nicht dringend benötigte Wasserverbräuche zu vermeiden.
Rote Phase
Rot ist die zweite Warnstufe. Anders als eine Ampel im Straßenverkehr bedeutet sie jedoch keinen vollständigen
Stopp, sondern ist als "5 vor 12" zu verstehen - also die letzte Gelegenheit zum (freiwilligen) Handeln, bevor es
dicke kommt. Sie gilt also als dringender Appell, den Wasserverbrauch so stark wie möglich zu reduzieren.
Dabei soll nach den Vorstellungen der Stadt Idstein - zusätzlich zu den Maßnahmen der gelben Phase - komplett auf die
Gartenbewässerung verzichtet werden (ausgenommen einer moderaten Bewässerung von Neuanpflanzungen), und auch aus
Standrohren soll kein Wasser mehr entnommen werden. Ein Standrohr ist dabei ein mobiles Gerät, das an einen
Wasseranschluss im unterirdischen Rohrsystem (also dem sogenannten Unterflurhydranten) temporär verbunden
wird, um an Orten ohne festen Wasserhahn schnell große Mengen Leitungswasser zu entnehmen. Solche Standrohre kommen
z.B. bei Baustellen, Straßenfesten oder der Landwirtschaft zum Einsatz, und natürlich auch bei
der Feuerwehr (wobei hier ersichtlich sein sollte, dass das Löschen eines Brandes Vorrang vor dem Wassersparen hat).
Trinkwassernotstand
Sowohl bei Gelb als auch bei Rot handelt es sich wie gesagt um Appelle an die Bevölkerung, und nicht um Verbote.
Die Nichteinhaltung kann - nach gegenwärtigem Kenntnisstand - daher nicht mit Bußgeldern geahndet werden. Solche
Verbote gelten nämlich erst bei einem Trinkwassernotstand - also hier in Idstein wenn die Wasserampel drei rote
Leuchten anzeigt. Die dann geltenden Verbote sind rechtlich durch die
Gefahrenabwehrverordnung der Stadt Idstein über die Einschränkungen des Verbrauchs von Trink- und Brauchwasser bei Notständen der Wasserversorgung
gedeckt. Dieses Dokument mit dem sperrig langen Namen trägt die Nummer 310 und ist auf der städtischen Seite unter
→ Recht, Sicherheit und Ordnung
auffindbar. Ein Blick in das Dokument wird empfohlen, um sich ein Bild über die Situation im Trinkwassernotstand
zu machen.
Trägheit des Wasserkreislaufs
Wichtig zu wissen ist, dass die Ampelphasen träge auf neuen Regengüsse reagieren, und umgekehrt auch auf ausbleibenden
Regen. Denn der Regen benötigt typischerweise 2-3 Monate, bis es zum Grundwasser versickert ist, von wo es erst dann
dem Wasserwerk zur Förderung zur Verfügung steht. Nach einer langen Trockenphase (wie zuletzt) saugen zudem der trockene
Boden und die Natur das Wasser wie ein Schwamm auf, und wenn es warm ist verdampft ein Teil des Wassers vom Boden
bzw. über die Pflanzen und Bäume wieder in die Luft. Daher macht es bereits bei einer länger dauernden regenfreien
Phase Sinn, mit der Wasserseinsparung zu beginnen, noch bevor die Wasserampel umspringt. Und danach bei neu
einsetzenden Regen ist es umgekehrt sinnvoll die Wassereinsparung für einige Zeit beizubehalten. Denn dann wird es
noch einige Zeit brauchen, bis sich der Wasserkreislauf wieder normalisiert hat.
NINA Warn-App
Wenn es zum Trinkwassernotstand kommt, soll die NINA Warn-App über den Zustand im jeweiligen Versorgungsgebiet
informieren. Ob das tatsächlich klappt, muss sich freilich im Ernstfall noch zeigen. Leider fehlen aber die Vorwarnstufen
der Wasserampel in NINA. Wenn die Meldung in NINA kommt, ist daher der Schaden bereits angerichtet.
Berechnungsgrundlagen
Wer Interesse hat zu erfahren, wie die Stadt bzw. Wasserwerke die jeweiligen Ampelstufen berechnen, findet
die passenden Informationen in Anlage 1 zur Drucksache-Nr. 053/2023. Diese wurde vor ein paar Jahren der
Stadtverordnetenversammlung als Beschlussvorlage vorgelegt. Das Dokument ist im Ratsinformationssystem
der Stadt Idstein zu finden, dort am Einfachsten über die
→ Suchfunktion für Dokumente,
indem man nach Wasserampel oder nach 053/2023 sucht.
Keine Veröffentlichung aktueller Messwerte
Dabei ist anzumerken, dass die Stadt Idstein auf die Veröffentlichung von aktuellen Zahlen zum Wasservorrat und
Wasserverbrauch verzichtet, worunter meiner Meinung nach die Transparenz der Wasserampel etwas leidet. Dennoch
darf man annehmen, dass die Schaltung der Wasserampel zeitnah und unter Beachtung der aktuellen Messwerte
stattfindet, da es im Interesse der Wasserwerke liegen dürfte, die Sache nicht zu vertrödeln.
Das Ratsinformationssystem
Das oben erwähnte → Ratsinformationssystem,
das im Grunde jede Stadt hat, ist übrigens eine gutes Kontrollinstrument für jeden interessierten Bürger, um sich
über die Vorgänge in der Politik (der Stadtverordnetenversammlung) und teilweise auch der Stadtverwaltung (des Magistrats)
zu informieren. Gerade wenn man sich in einen Fachgebiet gut auskennt, kann sich dieser Blick über die Schulter der
Verantwortlichen unserer Stadt lohnen. Man sollte aber darauf gefasst sein, dass man dort auch Missstände entdecken
könnte.
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