| Airglow - das Nachthimmelsleuchten |
| Beitrag: 22. August 2026 Aufnahmen: Nacht vom 10. auf 11. August und Nacht vom 20. auf 21. August 2026 |
|
Beim Airglow handelt es sich um ein schwaches - dabei aber stark schwankendes - Leuchten des Himmels durch Chemolumineszenz in sehr hohen Atmosphärenschichten - von 80 bis 300 km Höhe. Die dortigen Sauerstoffmoleküle (O2) werden am Tag zunächst durch UV- und Röntgenstrahlung der Sonne in atomaren Sauerstoff (O) aufgespalten. Die so entstandenen Atome rekombinieren sich langsam mit anderen Atomen und dabei wird Energie in Form von Licht freigesetzt. Je nach beteiligten Atomen in unterschiedlichen Höhen wird Licht verschiedener Wellenlängen ausgestrahlt. Im visuellen Bereich können es vor allem Grün, aber auch Gelb-Orange, Rot und im Bereich von Violett bis Blau sein - sowie durch Überlagerung auch Mischungen dieser Farben, und im nicht sichtbaren Bereich Infrarot und Ultraviolett. Das Leuchten tritt dabei ganzjährig überall auf der Erde auf. Erst in der Nacht, wenn der Himmel dunkel genug ist, lässt sich dieses schwache Leuchten erkennen. Mit bloßem Auge kann man dabei nur an sehr dunklen Standorten eine leichte Aufhellung und manchmal ein Muster von Bändern erkennen. Jedoch alles farblos, da unser Auge bei extrem schwacher Leuchtdichte - wie die des Airglows - keine Farben erkennt. In einer der Nächte, an denen ich dieses Jahr die Perseiden aus Presberg im Rheingau beobachtete, war das Airglow relativ stark. Für mich war es visuell aber nicht zu erkennen. Der horizontnahe Himmel sah - mit bloßem Auge betrachtet - ungefähr wie im folgenden Foto aus: |
|
|
|
|
|
Die Bänder (im gelb-orangenen sowie grünen) Airglow entstehen durch atmosphärische → Schwerewellen, die von der unteren Atmosphäre in die Thermosphäre aufsteigen. Da diese Bänder nur sehr langsam wandern, ist ihre Bewegung erst bei Betrachtung eines Zeitraffers zu erkennen. Hier am Beispiel der Nacht vom 10. auf den 11. August: Die Bänder im Video wandern von links unten nach rechts oben. In der zweiten Hälfte des Videos gesellen sich auch normale - von rechts unten kommende - Wolken hinzu, die man aber an der unterschiedlichen Bewegungsrichtung sowie ihrer Geschwindigkeit und Farbe ganz gut vom Airglow unterscheiden kann. In einer sternenbefreiten Variante des Zeitraffers lassen sich die wandernden Bändern und Strukturen des Airglows besser erkennen: Insgesamt ist Airglow ein fotografisch faszinierendes Schauspiel. Wenn es extrem stark ausfällt, kann es dabei auch von lichtverschmutzten Gegenden fotografiert werden. Konkret trat in der Nacht vom 20. auf den 21. August sehr starkes Airglow auf - nochmal stärker als das vom 10/11. August, so dass es von der automatischen Himmelskamera der hiesigen Wetterstation in Idstein aufgezeichnet wurde. Die Farben sind zwar wegen der Lichtverschmutzung nicht so gut wie an dunklen Standorten erkennbar, aber die Bewegungsmuster lassen sich - sofern vorhanden - gut erkennen. Hier das zugehörige Zeitraffer - Süden ist unten: Die Bänder bedecken den ganzen Himmel und wandern ungefähr von Süden nach Norden. So schön das Airglow sein kann, so störend ist es für die erdgebundene Astronomie. Man könnte sogar sagen, Airglow ist für die erdgebundene Beobachtung des Himmels so etwas wie der Endgegner an der letzten Pforte zum Weltraum. Da Airglow aber praktisch unbesiegbar ist, muss ein Workaround her: das Aufstellen von → Weltraumteleskopen außerhalb unserer Atmosphäre. Abschließend weiterführende Literatur zum Thema Airglow: → Wikipedia → Arbeitskreis Meteore e.V. Der Beitrag beim Arbeitskreis Meteore zeigt dabei die verschiedenen Höhen, in denen das Airglow auftreten und welche Farben es dabei annehmen kann. |