Beitrag: 26. August 2026 Aufnahmen: 12. August 2026
Die partielle Sonnenfinsternis vom 12. August, für die ich vorab einen
Vorschaubericht gepostet hatte,
brachte einige Überraschungen.
Ich verfolgte die Finsternis von Presberg aus, ganz in der Nähe zur Sternwarte der
Astronomischen Arbeitsgemeinschaft Rheingau e.V. (AAR).
Ein paar Mitglieder hatten am Vortag bereits eine direkt an der Sternwarte angrenzende Anhöhe gefunden,
aus der man den Sonnenuntergang gut einsehen konnte, und damit die Finsternis in ihrer vollen Länge.
Der 1. Vorsitzende des AAR hatte - ohne große Erwartungen - einen Beitrag in einer Facebookgruppe
des Rheingau-Taunus-Kreises abgesetzt. Wir hatten eine Handvoll Besucher erwartet - es kamen rund
50 Menschen zu Besuch, gut ausgerüstet mit Picknicksachen und Sonnenfinsternisbrille. Zum Glück
waren einige mobile Teleskope aufgebaut, so dass die Besucher in den Genuss von Sonnenansichten kamen,
sowohl im normalen Licht als auch im rötlichen H-Alpha-Licht
(für → Protuberanzen) - kamen.
Vor Beginn der Finsternis zeigte die Sonne einige kleinere Sonnenfleckengruppen, hier in einer
nicht so stark wie im Teleskop vergrößerten Ansicht:
Pünktlich zur berechneten Zeit begann der Mond die Sonne zu bedecken - hier dargestellt einige Minuten
nach Beginn der Verfinsterung:
Bei Betrachtung durch die Sonnenfinsternisbrille sah die Sonne wie in dieser Handyaufnahme aus (das Handy
wurde dabei hinter der Sonnenfinsternisbrille gehalten):
Um 19:50 hatte der Mond bereits die Sonnenmitte "erreicht":
Kurz vor 20:00 bemerkte man, dass die Sonnenstrahlen etwas gedämpft und goldenfarben die Landschaft beleuchteten:
Diese frühe goldenfarbene Tönung der Landschaft kam überraschend. Zwar kennen wir es, dass beim Sonnenuntergang
sich das Sonnenlicht Orange verfärbt, da die kurzen Wellenlängen (vor allem das Blau) stark in der Atmosphäre
(weg-)gestreut werden. Allerdings war die Sonne zu diesem Zeitpunkt noch gute 7° hoch überm Horizont.
Hier ist noch nicht final geklärt, was zu diesem frühen Effekt geführt hat. Er war nicht nur subjektiv, sondern
auch in den Aufnahmen nachweisbar. Denkbar wäre z.B. eine Trübung der Atmosphäre (z.B. durch Staub oder Calima),
oder aber eine Veränderung des Verhältnisses zwischen direktem und gestreutem Licht der Sonne (durch die
großräumige Verschattung der Atmosphäre) zugunsten der direkten Sonnenlichtstrahlen, die gelblich sind.
Jedenfalls ergab sich ab diesem Zeitpunkt eine tolle Stimmung.
Das war eines der Highlights dieser speziellen Sonnenfinsternis bei tiefem Sonnenstand.
Der Mond schob sich nun zügig vor die Sonne:
Und dann - kurz vor dem Finsternismaximum - bedeckte ein dunkler Streifen eine Ecke der Sonnensichel, was vor allem
die visuellen Beobachter ins Staunen brachte. Die Aufnahmen (hier und weiter unten) zeigten aber die irdische
Ursache - Kondensstreifen eines Flugzeugs:
Und dann erreichte die Finsternis ihr Maximum - knapp über 88 % der Sonnenfläche waren bedeckt:
Einige Minuten vor dem Finsternismaximum hatten Cirruswolken die Sonne leicht verschleiert. Es bildeten sich
dabei farbige Muster an den Wolkenbändern:
Was zunächst nach → irisierenden Wolken
aussieht - was auch gut zum Wolkentyp passen würde, entpuppt sich beim genauen Hinschauen hauptsächlich als ein kreisrunder
→ Hof oder Kranz
um die Sonne. Dieser wird verwirrenderweise auch Sonnenkorona genannt - nicht zu verwechseln mit der "echten" Korona der Sonne,
die nur während einer totalen Sonnenfinsternis zu sehen ist.
Der Unterschied zwischen dem Hof und den irisierenden Wolken ist einmal an den Farben zu erkennen: diese
beginnen beim Hof von Innen mit Weißblau und wechseln nach außen hin zu Braunrot. Zudem wiederholen sich die
Farben im obigen Bild in einem zweiten dunkleren äußeren Ring, was typisch für diese Kränze ist.
Eventuell sind aber zusätzlich auch die Effekte von irisierenden Wolken dabei, die mit dem Hof eng verwandt sind:
beide entstehen durch Lichtbeugung an Wassertropfen bestimmter Größe. Bei den irisierenden Wolken kommen dabei
wohl auch Interferenzen ins Spiel.
Zum Finsternismaximum hatten die Wolken etwas Platz für Sonne geschaffen, und in dieser Aufnahme ist auch der
Kondensstreifen des Flugzeugs zu sehen:
Um die Farbunterschiede des Kranzes besser erkennbar zu machen wurden die obigen zwei Aufnahmen mit einem Weißabgleich
von 3500 Kelvin geschossen - also weit weg von normalen Tageslichteinstellungen und ganz nah an der Farbe von Halogenlicht.
Der eigentliche visuelle Eindruck war aber komplett goldenfarben, was bei Verwendung des normalen Weißabgleichs für
Tageslicht (5500 Kelvin) auch fotografisch nachweisbar war:
Am Finsternismaximum erstellte ich eine überbelichtete Aufnahme unter Einsatz eines speziellen Rotfilters.
Dabei erschien in der Aufnahme - in der Verlängerung der linken Sichelspitze, wo die Sonne gerade vollständig vom
Mond verdeckt war - eine kleine isolierte Aufhellung: eine Protuberanz. Diese war allerdings nur kurz erkennbar,
da der Mond ja flott weiter "nach links" gewandert ist und diese dann verdeckte.
Um 20:29 war der Mond bereits ein ganzen Stück weitergezogen:
Und um 20:44 waren Sonne und Mond gemeinsam am Untergehen, wobei beide vor allem an den
Kanten stark schwabbelnd erschienen - ein Effekt des schlechter werdenden
→ Seeing
bei tieferem Sonnen- bzw. Mondstand:
Hier nun das gesamte Ereignis als Zeitraffer:
Ganz am Ende des Zeitraffers wird die Sonne vertikal gestaucht. Hier ein Vergleich der scheinbaren Sonnengröße
vor Beginn der Finsternis sowie im zweiten Bild beim Sonnenuntergang. Der grün-gestrichelte Kreis stellt dabei die Sonnengröße dar:
Dieser grüner Kreis wurde auf das zweite Bild kopiert und hebt dort die Stärke der verformten Sonne hervor - ein Effekt
der → Refraktion
an Atmosphärenschichten, die mit abnehmender Höhe eines Objektes über dem Horizont zunimmt:
Und wenn wir schon am Vermessen sind, vergleichen wir die scheinbare Mondgröße (Weiß gepunkteter Kreis) mit
der scheinbaren Sonnengröße (Grün gestrichelter Kreis). Dabei stellen wir fest, dass der Mond an diesem Tag
scheinbar größer als die Sonne war - also eigentlich ideale Bedingungen für eine totale Sonnenfinsternis. Wenn
es anders herum gewesen wäre, hätte man in Spanien, Island & co. sonst eine ringförmige Sonnenfinsternis gesehen.
Kurz vor Sonnenuntergang war die Landschaft komplett im tiefgoldenen Licht umhüllt, und die verfinsterte
Sonne untergehen zu sehen, hatte auch etwas Surreales:
Als die Sonne hinter der Horizontlinie verschwunden war, glühte der Himmel noch etwas nach, was den
Verdacht nach Staub in der Luft erhärtet:
Insgesamt war die Sonnenfinsternis dank des tollen Wetters und des tiefen Sonnenstands ein stimmungsvolles social event.
Und die anschließende Perseidennacht bei optimalen Bedingungen hat die Sache noch einmal getoppt. Dazu folgt noch ein
separater Beitrag.