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Weiter geht's mit dem Polarlicht-Ereignis vom 19.01. Der Schwerpunkt liegt diesmal auf Detailaufnahmen,
die mit einem leichten Weitwinkel (28 mm Brennweite) geschossen wurden. Das Bildfeld ist dabei rund
65° breit und 46° hoch, so dass immerhin ein Regenbogen darin passen würde. Nicht aber die Polarlichter
dieser Nacht, die von Westen nach Osten reichten (180° Breite) und vertikal mehr als 90° ausmachten.
Der Blick geht zunächst nach Nordosten:
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Tief am Horizont ist der gelbgrüne Polarlichtbogen zu sehen, der Kondensstreifen von Flugzeugen und andere leichte
Wolkenstrukturen durchleuchtet. Darüber sind rote Säulen zu sehen, die nach oben hin recht unstrukturiert erscheinen.
Einzelne rote Säulen durchstoßen den gelbgrünen Bogen, wodurch das Licht sich stellenweise ins orangenfarbene vermengt.
Nach rechts (Osten) hin versinken die Polarlichter am Horizont, und die roten Säulen kippen dabei immer mehr
nach rechts. Das kommt daher, dass das Polarlichtoval seinen Mittelpunkt (ganz grob gesagt) am Nordpol hat,
es den Nordpol also umkreist. Wir schauen aber von weiter südlicherer Position auf die Polarlichter. In Blickrichtung
Nordhorizont schauen wir frontal auf die Polarlichter - da stehen die Säulen senkrecht. Schauen wir hingegen nach Nordosten
bis Osten, sehen wir diejenigen Polarlichter von der Seite, die gerade nördlich von Polen, der Ukraine usw. sichtbar sind.
Wir schauen also entlang der Projektion der Erdkrümmung.
Nur eine Minute später als im obigen Bild beginnt die Situation sich zu verändern:
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Man erkennt dabei, dass am oberen Ende der roten Säulen grüne Flächen auftauchen. Und vier Minuten später weiten
diese sich nach oben hin aus und gewinnen deutlich an Helligkeit, wodurch sie die dahinter liegenden Sterne überstrahlen:
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Die grüne Fläche reicht dabei fast von Osten bis nach Westen, wie man nach einem Kameraschwenk nach West-Nord-West
erkennen kann (Westen ist dabei ganz links im Bild):
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Besonders auffällig ist der Kondensstreifen des gerade vorbeifliegenden Flugzeugs. Da durchstreift einem kurz
der Gedanke, wie die Passagiere des Flugzeugs die Polarlichter gerade bewundern.
Der geübtere Himmelsbeobachter vermag im Bild auch die Andromedagalaxie (oben halblinks im Bild) erkennen, die
gerade so noch durch die grünen Polarlichter durchscheint. Es ist ein helles Pünktchen mit fast vertikal liegenden
Spiralarmen, die als ein leichter Strich zu erahnen sind.
Außerdem zu erkennen sind die tiefer liegenden Ortschaften, die vom Nebel bedeckt sind. Nur die roten Leuchten
der Windräder ragen über den Nebel.
Zurück zur Nordost-Blickrichtung, hat sich die hohe grüne Fläche - nur eine Minute später - wieder stark zurückgezogen,
und die übrigbleibende Fläche erinnert an eine lentikulare Wolke:
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Nur eine Minute später ist das Grün komplett verschwunden, und zwei Flugzeuge scheinen sich (aus unserer Perspektive) zu kreuzen:
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Wechseln wir nun die Blickrichtung ungefähr gen Norden, wo die Säulen fast gerade stehen:
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Intensive Farben füllen das Bild. Unter dem gelbgrünen Bereich ist eine undefinierbare "dunkle Materie"
zu sehen, die jedoch links im Bild von roten Säulen durchdrungen wird. Diese dunkle Materie scheint
sich zweitweise zurückzuziehen, wenn die Polarlichtaktivität zunimmt, wie man im nächsten Bild sehen kann:
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Die roten Säulen sind dabei intensiver als das gelbgrün wahrnehmbar, und überstrahlen das Gelbgrün sogar.
Und die Nebelbänke über die tiefer liegenden Ortschaften leuchten nicht mehr graugrünlich, sondern nun rötlich -
durch Reflektion der jeweils dominanten Polarlichterfarbe.
Selbst im Vergleich der beiden Aufnahmen ist nahe des Horizonts nicht sicher zu sagen, welche Bereiche Dunst, tiefe
weit entfernte Wolken, oder Polarlichter sind. Und auch mit einem weiteren Bild kann man die Strukturen nicht immer
sicher benennen:
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Im nächsten Bild genießt ein romantisches Paar die Polarlichter, und vielleicht auch die Andromedagalaxie,
die nun etwas besser zu erkennen ist (fast senkrecht über das Paar, ganz oben im Bild):
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Irgendwann wechselte ich die Beobachtungsposition, um Schutz vor dem konstanten eisigen Wind zu suchen,
was leider vergeblich war. Allerdings kam es dort zum Austausch mit anderen Besuchern, wodurch die Kälte
wieder in den Hintergrund geriet, obwohl der Körper schon gut durchfrostet war. Kurz vor 1 Uhr morgens
konnten wir dann sogar eine Sternschnuppe sichten:
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In Idstein machte die automatische Himmelskamera weiter munter Bilder vom Nebel. Wie ich am nächsten Tag beim
Sichten der automatischen Aufnahmen bemerkte, lichtete sich kurz vor dem Morgengrauen der Nebel, wie die folgende
Aufnahme um 6 Uhr morgens zeigt. Diese ist gegenüber der Himmelsansicht der Wetterseite um 180° gedreht, damit
Norden unten ist:
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Dabei erkennt man einen ganz schwachen diffusen roten Bogen hoch im Norden (in der untereren Bildhälfte).
Addiert man mehrere Bilder zu einem einzigen Bild und verstärken den Kontrast, erkennt man diesen deutlicher:
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Es handelt sich dabei um den SAR-Bogen (SAR steht für Stable Auroral Red). Auch wenn dieser generell nicht mit
bloßem Auge beobachtet werden kann, bedeutet dies, dass die die Polarlichter - zumindest fotografisch - auch
über Idstein nachweisbar waren. In der Folgenacht waren aber dann Polarlichter auch visuell über Idstein sichtbar.
Dazu folgt ein Beitrag, sobald die Beitragsserie vom 19. Januar abgeschlossen ist.
Ein weiterer Beitrag (vom 19. Januar) folgt in den nächsten Tagen...
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