Polarlichter über den Taunus - Teil 4
Beitrag: 13. Februar 2026
Aufnahmen: Nacht vom 19/20. Januar 2026
 
 
Im vierten und letzten Teil des Polarlicht-Ereignisses vom 19.01 geht es um Panorama-Ansichten, dem Nachweis seltener Polarlichtarten und der relativen Positionsbestimmung der Polarlichter. Die Bilder werden in etwas höherer Auflösung präsentiert. Einige Details lassen sich nur auf großen Displays (PC oder Tablet) erkennen.

Die Panoramen gehen von Westen über Norden bis Osten - also in der Breite rund der halbe Himmel. Sie verdeutlichen die scheinbare "Krümmung" der Polarlichter entlang des Nordhorizonts, die in Teil 2 dieser Beitragsserie erläutert wurde:
 
 
Auf beiden Seiten des Bildes ist dabei zu erkennen, wie der grüne Polarlichtbogen unter dem Horizont verschwindet. Darüber strahlen die roten Beamer, wobei diese an den Seiten verkippt erscheinen. Oberhalb der Beamer ist zudem eine diffuse rötliche Färbung zu erkennen. Links oben sind die beiden Kondensstreifen eines vorbeiziehenden Flugzeugs zu sehen, sowie die jeweiligen Lichter an den Flügeln. Etwas tiefer auf der linken Seite ist eine kleine grüne Fläche "innerhalb" der roten Beamer zu erkennen, die zufällig an der gleichen "Stelle" wie ein Kondensstreifen eines zuvor vorbeigeflogenen Flugzeugs strahlen. Die Kondensstreifen sind freilich viel tiefer in der Atmosphäre und viel näher zu uns, sie sind also nur scheinbar an der gleichen Stelle.

Das zweite Panorama zeigt - 5 Minuten später - etwas mehr von Westhorizont und dafür etwas weniger vom Osthorizont, was man an den Baumformationen links und rechts im Bild erkennen kann. Die roten Beamer strahlen nun stärker als zuvor:
 
 
Das dritte Panorama - 10 Minuten später - zeigt mehr vom Osthorizont, wo gerade die grünen Flächen über den roten Beamern auftauchen. Und über ihnen ist der Ausläufer eines diffusen roten Bogens zu erkennen:
 
 
Um den erwähnten diffusen roten Bogen besser zu überblicken, wurde das vierte Panorama kurz nach Mitternacht erstellt, als sich die roten Beamer beruhigt hatten. Dieses Panorama zeigt einen leicht breiteren, dafür aber fast doppelt so hohen Bereich des Himmels, so dass der rote Bogen komplett zu sehen ist und das ganze Bild füllt:
 
 
Es handelt sich dabei um den sogenannten Stable Auroral Red (SAR), der von Westen nach Osten reicht. Mit bloßem Auge ist er nicht zu erkennen, aber in den Aufnahmen ist er in der Regel gut auszumachen. Man muss lediglich die Kamera höher in den Himmel richten, um ihn über den Nordhorizont zu erfassen.

Beim Bearbeiten der letzten Bilder dieser Nacht viel mir zufällig ein sehr unauffälliger bläulich-violetter Bereich im Himmel auf. In dieser sternenbefreiten und im Kontrast und der Farbsättigung verstärkten Ansicht des Himmels ist dieser Bereich über dem höchsten Baum zu erkennen:
 
 
Um sicherzugehen, dass es sich nicht um Lichtverschmutzung handelte, wurde ein sternenbefreites und ebenfalls im Kontrast und der Farbsättigung verstärkter Zeitraffer erstellt. Dieser geht von 02:14 bis 02:47 Uhr. Die 30 Minuten werden dabei in lediglich 4 Sekunden abgespielt - also stark beschleunigt. Zu erkennen sind hohe bläuliche-violette Strahlen auf der mittleren oberen Bildhälfte, die von rechts nach links übers Bild wandern. Gerade am Ende des kurzen Zeitraffers, als die anderen Polarlichtstrahlen abnahmen, sind sie gut erkennbar.

Zum Starten und Stoppen des Zeitraffers auf das folgende Bild klicken/tippen (es wiederholt sich automatisch in einer Schleife, bis man es stoppt):



Bei diesen Strahlen handelt es sich um die seltenen Giant Blue Rays (GBR), die sich in Realgeschwindigkeit extrem langsam bewegten und nicht mit bloßem Auge zu sehen waren. Selbst in normalen Aufnahmen werden sie oft übersehen, da sie sehr schwach strahlen.

Während rote Beamer einige hundert Kilometer hoch reichen können, gehen GBR wesentlich höher: laut einer Beschreibung des Arbeitskreis Meteore e.V. reichen sie mehrere Tausend Kilometer hoch. Dies ist deshalb erstaunlich, weil in solchen Höhen - der Exosphäre (der äußersten Schicht unserer Atmosphäre) - normalerweise nicht mehr genügend Stickstoffmoleküle vorhanden sind, um die blau-violetten GBR sichtbar zu machen. Die Entstehung der Giant Blue Rays ist noch Gegenstand der Forschung. Bisher wird vermutet, dass Stickstoffmoleküle bei starken geomagnetischen Stürmen eventuell in große Höhen katapultiert werden.

Kommen wir nun zur Vermessung der grünen flächenartigen Polarlichter, die zu Beginn der Nacht den Himmel stark aufhellten und für ein unglaubliches visuelles Spektakel sorgten. Der Blick geht zunächst nach Nordwesten. Es wird dabei ein Raster eingeblendet, dessen Linien horizontal sowie auch vertikal jeweils 10-Grad-Abstände markieren. Die Verlaufslinien des Westens (W) und Nordens (N) werden in roter Farbe und die Sternbilder anhand von (hauptsächlich) grünen Linien hervorgehoben. Die Farbsättigung und Helligkeit des Bildes wurden absichtlich gemindert, damit man die ganzen Linien gut erkennen kann:
 
 
In der Bildmittel ist Kassiopeia (Cas) zu erkennen, links unterhalb davon das Sternbild Andromeda (And) und in der linken oberen Ecke Perseus (Per). Auf der rechten Bildseite ist oben der kleine Wagen (UMi) zu erkennen, an dessen Deichsel der Polarstern liegt, darunter der Drache (Dra) zu sehen, und schräg links unterhalb davon ragen die Flügen des Schwans (Cyg) gerade so über dem Horizont.

Nun zur Vermessung im obigen Bild: Der gelbgrüne Polarlichtbogen, der auf der rechten Bildseite eher erscheint, reicht an der höchsten Stelle ca. 13° bis 15° hoch über den Horizont. Das rote Schimmern reicht scheinbar bis 50° hoch über den Horizont (auch rechts im Bild). Und die flächenartigen grünen Polarlichter steigen vom Westen (links im Bild) hoch in den Himmel.

Machen wir nun einen Schwenk nach oben, um den weiteren Verlauf der flächenartigen grünen Polarlichter zu verfolgen, und richten die Kamera exakt auf den Zenit aus. Westen ist nun unten im Bild, Süden links oben und Norden rechts unten. Die Nord-Süd-Linie (der Meridian) wird als rote Linie quer durchs Bild hervorgehoben. Wie im vorigen Bild geht die Rasterbreite in 10-Grad-Schritten, wobei es hier Kreise anstatt Linien sind, da wir hoch zum Zenit schauen. Der Mittelpunkt ist 90° hoch am Himmel, der erste Kreis 80° hoch, usw.:
 
 
Wie man erkennt, reichen die grünen Polarlichter von Westen über den Zenit hinaus etwas nach Süden, und kreuzen den Jupiter, der sich knapp unterhalb des 60°-Kreises über dem Südhorizont im Sternbild Zwillinge (Gem) befindet. Auffällig dabei ist, dass die grüne Fläche scheinbar einer Linie folgt, und diese den Meridian nicht gerade, sondern schräg durchkreuzt. An der Meridianlinie leuchtet die grüne Fläche von ca. 80° bis runter auf 55° über den Südhorizont, und erreicht damit fast die Oberkante des Sternbild Orion (Ori).

Ähnliche Vermessungen der Positionen im Himmel hatte ich auch nach dem großen Polarlichtereignis vom Mai 2024 durchgeführt. Dort war insbesondere die Positionsbestimmung der Korona interessant, die Aufschluss über die Struktur der Magnetfeldlinien der Erde gab. Die Korona fehlte dieses Mal. Dafür waren aber die ausgedehnten grünen Flächen ein absolutes Novum für mich, und insgesamt war das Polarlichtereignis um einiges heller - und damit visuell beeindruckender - als das Ereignis in 2024. Das macht Lust auf mehr und weckt Interesse auf eine Reise in Gegenden nördlich des Polarkreises.

 
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