Wetterstatistik 2025: Wetterbedingte Ereignisse
Beitrag: 20. Januar 2026
 
 
Neben den ganzen automatisch erfassten Messwerten führe ich eine Statistik über einige atmosphärische Erscheinungen, Wetterereignisse und Rhythmen der Natur. Dabei handelt es sich - direkt oder indirekt - um wetterbedingte Ereignisse. Hier nun eine Übersicht dieser Ereignisse für das Jahr 2025. Vertikal sind die Ereignisarten notiert, und die Punkte auf der horizontalen Zeitskala stellen die Tage dar, an denen die Ereignisse auftraten:
 
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Auf die einzelnen Ereignisarten gehe ich folgend im Detail ein. Für alle Ereignisse gilt, dass sie in Idstein beobachtet bzw. registriert wurden.

Polarlichter
 
In der Statistik wurden alle Polarlichtereignisse gezählt, für die ich einen fotografischen Nachweis habe. Die meisten Polarlichter waren dabei nicht mit bloßem Auge sichtbar, sie sind aber direkt am Handydisplay erkennbar und erscheinen zumeist in bunten Farben in den Fotos - wesentlich bunter, als wir es wahrnehmen können. Unsere Augen können nämlich Farben bei niedrigen Leuchtdichten (wenn das Licht nicht so hell ist) nicht so gut erkennen - ganz besonders nicht bei Rottönen, die in der Regel bei Polarlichtern auf unseren Breitengraden dominieren.

Es gibt allerdings Ausnahmen: manche - sehr seltene - Polarlichter sind dermaßen hell, dass sie nicht nur mit bloßem Auge beobachtet werden können, sondern dass man dabei die Farben sehr gut sieht. So geschehen z.B. gestern Nacht (19. auf 20. Januar 2026), was aber nicht im Jahr der Statistik liegt, die hier behandelt wird. Über dieses Ereignis werde ich in den kommenden Tagen separat berichten.

Zur Vollständigkeit der Statistik ist zu sagen, daß die automatische Himmelskamera keinen vollständig freien Blick auf den Nordhorizont hat und ich zudem nur bei manchen Polarlichtereignissen einen besseren Beobachtungsplatz aufsuche (tatsächlich schlafe ich manchmal auch). Daher stellt die Statistik nur einen Teil der tatsächlichen Polarlichtereignissen dar. Aber wenn es nicht bewölkt ist, registriert die Himmelskamera die stärkeren Polarlichtereignisse mit einer Mindesthöhe von 10° über den Horizont.

Insgesamt wurden 15 Nächte mit Polarlichter erfasst. Das größte Polarlichtereignis in 2025 fand dabei in der Nacht vom 11. auf 12. November statt. Darüber hatte ich ausführlich in einem Beitrag berichtet.

Betrachten wir nun zwei Auswertungen, die ich auf Basis der vom GFZ-Potsdam bereitgestellten Daten über die globale geomagnetische Aktivität der Erde angefertigt habe. Da der Index global ist, spiegelt er nicht immer die tatsächlichen Gegebenheiten über "unseren" Norden dar. Schauen wir uns zunächst den täglichen Höchstwert an. Je höher der globale Index, desto kräftiger fallen in der Regel die Polarlichter rund um den Globus aus:
 
 
Wie man an der Grafik erkennt, gab es relativ oft Maximalwerte des Hp30-Index von 6 oder höher - Bereiche, ab denen es typischerweise zu Polarlichtsichtungen in unseren Breitengraden kommen kann (aber nicht muss). Die zwei höchsten Werte traten dabei am 1. Januar (bis 9,3 hoch, ist etwas versteckt links in der Grafik) und am 11. November auf. An der gelbgrünen Tendenzkurve erkennt man zudem, dass höhere Tagesmaximalwerte gehäuft im Frühling und im Herbst aufgetreten sind.

Ein hoher Maximalwert bedeutet übrigens nicht zwangsläufig, dass Polarlichter aus Idstein heraus sichtbar werden. Es muß zunächst Nacht und nicht (zu stark) bewölkt sein, damit die Ereignisse überhaupt sichtbar werden. Helles Mondlicht und Lichtverschmutzung können zudem schwache Polarlichter überstrahlen.

Betrachten wir nun die monatlichen Durchschnittswerte des Hp30-Indizes, um die generelle Tendenzen der globalen geomagnetischen Aktivität zu überprüfen:
 
 
Hier ist die Delle im Winter zu erkennen, da der Maximalwert des 1. Januar ein einzelnes Ausnahmeereignis war und im monatlichen Durchschnitt untergeht. Zudem liegt die zweite Delle in diesem Fall im Bereich des Spätsommers.

Leuchtende Nachtwolken
 
Im Bild zu sehen ist ein visuell beeindruckendes Ereignis, das ich durch das Fotografieren von Glühwürmchen fast verpasst hätte. Im Grunde gelten bei Leuchtenden Nachtwolken (kurz: NLC) in Bezug auf die statistische Auswertung ähnliche Bedingungen wie bei Polarlichtern. Allerdings ist hier die Trefferquote in der Regel höher, da NLC im Juni und Juli auftreten, wenn der Himmel im Schnitt öfters klar ist (außer es sind Schulferien, dann regnet es immer).

Leuchtende Nachtwolken sind oftmals mit bloßem Auge zu sehen, und dabei richtig hell, so daß man sie nicht übersehen kann. 2025 brachte mehrere sehr helle Erscheinungen, über die ich noch nicht berichtet habe.

Insgesamt konnten an 14 Nächten leuchtende Nachtwolken vom 2. Juni bis 19. Juli erfasst werden, und einige von ihnen waren sogar - ohne Unterbrechung - die ganze Nacht über beobachtbar.

Sonnenhalos
 
Im Bild zu sehen sind der 22°-Ring um die Sonne, sowie - leicht links und rechts von ihm verlaufend - der umschriebene Halo.

Bei Halos handelt es sich zumeist um linienförmige Lichterscheinungen, die durch Brechung des Sonnen- bzw. Mondlichts an kleinsten Eiskristallen in der Atmosphäre entstehenden. Die Erscheinungen sind in der Regel kreis-, oval- oder bogenförmig. Einige von ihnen verändern ihre Form je nach Höhe der Sonne bzw. des Mondes, und können sich über den gesamten Himmel erstrecken.

Höfe (Aureole) an der Sonne oder dem Mond zählen übrigens nicht zu den Halos, da die Höfe durch Beugung des Lichts an Regentropfen entstehen.

In der Statistik habe ich die Haloerscheinungen an der Sonne dargestellt und diese dabei in zwei Bereiche unterteilt: Halonachweise, bei denen ich die Tage zähle, an denen irgendein Sonnenhalo auftrat - gleich wie schwach oder kurz dieser zu sehen war. Und Halophänomene, die mit bloßem Auge zu sehen waren und bei denen man mindestens 5 unterschiedliche Haloarten zählen konnte. Dazwischen gibt es freilich noch jede Menge Haloerscheinungen, die mit bloßem Auge gesehen werden können, aber weniger als 5 Haloarten aufweisen. Diese können dennoch sehr schön anzusehen sein.

Für den Nachweis von Halos setze ich computergesteuerte Bearbeitungstechniken ein. Dabei lassen sich wesentlich mehr Halos nachweisen, als dies mit bloßem Auge oder in einfachen Aufnahmen möglich wäre. Zum Teil können dabei auch Halos trotz tieferen Wolkenschicken nachgewiesen werden, die normalerweise ihre Sicht blockieren würden. Die für Haloerscheinungen notwendigen Eiskristalle schweben nämlich zumeist in Höhen von 6 bis 10 km. Bei Nebel oder einer absolut dichten tieferen Wolkendecke lassen sich freilich keine Halos nachweisen.

Alle Haloarten werden auf der Seite vom Arbeitskreis Meteore e.V. im Detail erläutert. Hier nun eine Übersicht der Anzahl Tage, an denen bestimmte Haloarten in 2025 in Idstein nachgewiesen werden konnten, nach Häufigkeit sortiert:
 
 
Zwei Haloarten sind dabei sehr wahrscheinlich unterrepräsentiert: Nebensonnen und die obere Lichtsäule. Diese treten des Öfteren bei sehr tiefen Sonnenständen auf, und tief am Horizont ist die Sicht der Himmelskamera eingeschränkt.

Insgesamt konnten an 174 Tagen Sonnenhalos nachgewiesen werden, und an 11 Tagen traten Halophänomene auf. Mondhalos wurden dabei nicht mitgezählt. Diese konnten aber an 65 Nächten nachgewiesen werden. Es sind daher deutlich weniger als bei der Sonne, da der Mond ausreichend hell beleuchtet sein muss, damit Halos sichtbar werden können.

Regenbögen
 
Im Bild zu sehen ist ein vollständiger Hauptregenbogen und ein sekundärer Regenbogen.

Insgesamt konnten an 9 unterschiedlichen Tagen Regenbögen erfasst werden. Am 16. Juli waren ein Regenbogen bei Sonnenaufgang und ein zweiter am Abend beobachtbar. Letzterer war gleichzeitig der "tiefste" Regenbogen des Jahres - die Sonne stand dabei noch satte 20° über dem Horizont. Der "höchste" Regenbogen des Jahres konnte am 11. September beobachtet werden, als die Sonne nur noch 2° über dem Horizont stand. Am 25. Juli gab es mit 100 Minuten Dauer den längsten Regenbogen. Und am 11. September traten - neben dem doppelten Regenbogen (im Bild oben zu sehen) - im Hauptbogen auch Interferenzbögen auf, hier in einer kontrastverstärkten und vergrößerten Darstellung zu sehen:
 
 
Aufgrund der lückenlosen Überwachung des Himmels mit der Himmelskamera dürfte die Regenbogenstatistik relativ vollständig sein. Es können freilich nicht alle Regenbögen erfasst werden, da manche horizontnahe Bereiche durch die Hanglage oder auch durch Bäume verdeckt sind.

Nebelbögen konnten dieses Jahr keine erfasst werden.

Gewitter
 
Das Bild wurde aus einem Video des Gewitters entnommen, bei dem zuerst die feinen Verästelungen oben im Bild sich aufbauten, eh dann der helle Blitz den Kontakt zum Boden suchte.

Wie man in der Statistik erkennt, gab es im Herbst und im Winter keine Gewitter. Insgesamt gab es an 15 Tagen Gewitter und dabei konnten ca. 170 Blitze akustisch und visuell erfasst werden. Gezählt wurden dabei alle Gewitter, die nachts im Sichtfeld der Himmelskamera standen bzw. die ich tagsüber akustisch als nahegelegen wahrgenommen konnte. Die Statistik dürfte relativ vollständig sein.

Hagel
 
Im Bild zu sehen ist ein Hagelkorn mit 1 cm Durchmesser, von denen am 21. Juli einige auf dem Boden landeten.

An den Bildern der Wetterkamera sind Hagelkörner des Öfteren als Striche erkennbar, was an ihrer höheren Fallgeschwindigkeit als Regen liegt. Allerdings verschwimmt die Grenze bei sehr kräftigen Regenfällen, bei denen die Regentropfen auch mit höherem Tempo angeschossen kommen.

Insgesamt konnte an 4 Tagen zwischen Februar und Juli Hagel erfasst werden, mit Körnergrößen zwischen 2 und 10 mm. Dabei wurde allerdings nur Hagel statistisch erfasst, den ich live miterlebt habe. Die Statistik könnte daher unvollständig sein.

Schnee
 
Das Bild ist aus 2024, da ich in 2025 keine Bilder vom Schnee geschossen habe. Das ist ein Zeichen dafür, dass es in 2025 nicht stark geschneit hat bzw. der Schnee nicht länger liegengeblieben ist.

Insgesamt hat es an 13 Tagen geschneit. Laut meinen Notizen waren die meisten Schneefälle aber marginal bis geringfügig. Am 5. Januar habe ich als Notiz stehen, dass es von der Nacht bis ca. zur Mittagszeit lange geschneit hat, aber der Schnee anschließend durch einen Temperaturanstieg geschmolzen ist.

Was es allerdings im Winter - vor allem zu Jahresbeginn - gehäuft gab war Raureif. Dabei entstanden oft interessante Skulpturen an alltäglichen Gegenständen:
 
 
An den Tagen mit Raureif lag die Temperatur stets über einen längeren Zeitraum unter dem Gefrierpunkt (konkret zwischen -5 und -2 °C), und es gab dabei Nebel sowie mäßig starken Wind (5 bis 15 km/h).

Zugvögel
 
Im Bild sind kreisende - und gleichzeitig laut kreischende - Zugvögel zu sehen, die Aufwinde an unserer Hanglage nutzten, um an Flughöhe zu gewinnen. Wenn ich es richtig erkannt habe, handelt es sich dabei um Kraniche.

Sinn und Zweck der hiesigen Auswertung des Vogelzugs ist es einen Zusammenhang zum Wetterverlauf herzustellen. Da ich erst in der zweiten Jahreshälfte mit der etwas systematischeren Auswertung begonnen habe, ist die Statistik - vor allem zu Jahresbeginn - sicherlich unvollständig. Und zur Schlafenszeit können Vogelzüge verpasst worden sein.

Im Herbst konnte ich den ersten Vogelzug am 16. Oktober erfassen und den letzten am 26. November. Da sich die Laute immer gleich anhörten, gehen davon aus, dass es immer Kraniche waren, die über Idstein geflogen sind.

Paarungsgesang der Amseln
 
Im Bild ist eine männliche Amsel zu sehen, die zur Mittagszeit - in Anwesenheit eines Amsel-Weibchens - einen Balz aufführte. Die Amsel fächerte dabei ihren Stoß breit auf, und senkte diesen zuerst zum Boden und hievte ihn danach in die Höhe. Das Amselweibchen schien das nicht zu beeindrucken: ihre Blicke waren auf den Rasen gerichtet - evtl. auf der Suche nach Nahrung, oder sie tat vielleicht nur so, als sei sie desinteressiert.

In der Statistik wird allerdings nicht Balz erfasst, sondern der sehr melodische Paarungsgesang, den die Amselmännchen früh morgens - besonders ausführlich, und früh abends - etwas kürzer - aufführen. Der erste mit Paarungsgesängen war der 29. Januar und der letzte der 20. Juli. Insgesamt waren die Amseln also gute 6 Monate mit der Paarung - oder zumindest mit dem Versuch dessen - beschäftigt. Im Rest des Jahres ist nur das Zetern für kurze Momente zu hören, das anderen Zwecken dient und nicht die gleiche Konstanz wie die Paarungsgesänge aufweist.

Glühwürmchen
 
2025 begann die Glühwürmchenaktivität deutlich später als sonst: Den allerersten Leuchtkäfer (ein einzelnes Exemplar) entdeckte ich am 18. Juni. Erst am 27. Juni nahm die Sache etwas Fahrt auf - fast eine Woche später als sonst. Dabei hat das Wetter eigentlich gestimmt, es war trocken und relativ warm.

Und schon ab dem 7. Juli begann die Glühwürmchenzahl schnell wieder abzuebben. Dafür entdeckte ich sehr spät - am 17. Juli - eine sehr kleine Gruppe von Glühwürmchen-Weibchen, als schon lange keine fliegenden Männchen mehr unterwegs waren. Entweder hat das Timing diesmal gar nicht gestimmt, oder die Weibchen hatten schon ihre Eier gelegt und warteten auf das Ende ihres Lebens.

Anders als die Männchen sind die Weibchen flügellos. Dafür leuchten sie an mehrere Stellen der Oberseite ihres Körpers, was sicherlich dazu dient, dass die vorbeifliegenden Männchen sie entdecken können:
 
 
Dabei recken sie das stark leuchtende Hinterteil in die Luft:
 
 
Insgesamt war erneut ein deutlicher Rückgang der Glühwürmchenzahlen in Idstein zu verzeichnen. Nüchtern betrachtet muss man konstatieren, dass die Tendenz in Richtung Auslöschung der Art geht. Meiner Beurteilung nach liegen die Hauptgründe im Einsatz von Pestiziden, der stark zugenommenen - und weiter stark zunehmenden - Lichtverschmutzung in allen Bereichen, und der intensiven Forstwirtschaft.

 
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