Wetterstatistik 2025: Himmelsansichten
Beitrag: 22. Februar 2026
 
 
Zum Abschluss der Wetterstatistik 2025 folgt nun ein Beitrag zu den Ansichten der Himmelskamera. Augrund der Länge dieses Beitrags eine kleine Inhaltsübersicht mit Sprungmarken:

Inhaltsübersicht
→ Jahreskeogramm
→ Mittagsansichten
→ Mitternachtsansichten
→ Gewitter
→ Purpurlicht
→ Halos
→ Himmelshelligkeit bei Nacht

Jahreskeogramm  [↑]
Betrachten wir zunächst eine Übersicht des gesamten Jahres in kompakter Form - als Variation des täglichen Keogramms auf der Wetterseite. Die hiesige Variation stellt einen einzigen Bildpunkt der Himmelsaufnahmen über den zeitlichen Verlauf eines Jahres dar. Horizontal wird dabei die Uhrzeit (durchgehend als Winterzeit) notiert, und vertikal die Tage im Jahresverlauf. Es wurde dabei ein Bildpunkt aus der Bildmitte gewählt (entspricht dem Zenit):
 
 
Zur Referenz: Vor 5 Jahren hatte ich einen solchen Jahreskeogramm bereits einmal veröffentlicht. Anders als damals werden die Aufnahmen nun mittels Dunkelbildabzug kalibriert, was zu einer saubereren Farbdarstellung führt (damals hatte vor allem der unbewölkte Nachthimmel einen leichten Violett-Stich).

Aber zurück zum Jahreskeogramm 2025: dort ist die Veränderung der Tageslänge im Jahresverlauf sehr gut zu erkennen, sowie auch die Bewölkung des Himmels. Am Tag und in der Nacht erscheint der unbewölkte Himmel Blau. Bei Wolken oder Nebel ist der Himmel am Tag in der Regel Grau und in der Nacht Dunkelorange - bedingt durch die künstliche Beleuchtung, die von uns Menschen ausgeht. Wenn an bewölkten Nächten zusätzlich der Mond scheint, verschiebt sich die Farbe ins Bläuliche, was in der Farbmischung aus Orange und Blau eine Rosa-Färbung ergibt. Während der Dämmerung ist in der Regel ein intensiveres Blau zu erkennen, außer an manchen teilweise bewölkten Tagen, an denen während der bürgerlichen Dämmerung (Sonne 0 bis 6° unter dem Horizont) ein Rosa-Ton - durch das sogenannte Purpurlicht - zu erkennen ist. Während der astronomischen Dämmerung (Sonne 12 bis 18° unter dem Horizont) dominiert bei bewölktem Himmel hingegen die künstliche Beleuchtung, was zum erwähnten Dunkelorange führt.

Wichtig zu wissen ist, dass die auf der Wetterseite dargestellten Himmelsansichten stets so angeglichen werden, dass sie tagsüber eine Durchschnittshelligkeit von 50 % und nachts eine Durchschnittshelligkeit 30 % ergeben. Da das Keogramm aus diesen Bildern gebildet wird, kann es freilich nicht die tatsächliche Helligkeit des Himmels vermitteln.

Vergleichen wir nun eine zweite Variation des Keogramms, bei der ein Bildpunkt vom Nordhorizont als Grundlage verwendet wird (das zweite Keogramm im folgenden Vergleich):
 
 
In diesem Vergleich fallen ein paar Unterschiede auf: im Sommer scheinen die Tage im Nordkeogramm länger zu sein. Dies rührt daher, dass der Nordhorizont im Sommer während Dämmerung heller als der Zenit ist. Einige Wochen lang dauert die astronomische Dämmerung sogar die ganze Nacht an, die echte Nacht wird also nicht erreicht. Zudem ist zu erkennen, dass die Rosa-Färbung der bewölkten Nächte im Nordkeogramm fehlt. Dort dominiert nämlich die Helligkeit der künstlichen Beleuchtung. Die Aufhellung durch den Mond fällt in Relation dazu gering aus, und damit auch die Verschiebung Richtung Blau.

Insgesamt erscheint der Himmel am Horizont (in alle Richtungen) heller als im Zenit, was vor allem an den wolkenfreien Tagen und Nächten gut zu erkennen ist: dort wo der Himmel im Zenitkeogramm Dunkelblau ist, erscheint er im Nordkeogramm fast Hellblau. Dies kommt daher, dass wir in Horizontnähe (durch den Schrägeinblick) durch wesentlich mehr Atmosphäre hindurchschauen, und das Licht daher dort stärker gestreut wird. Vereinfacht kann man sich dies wie eine stärkere Spiegelung des Lichts zu uns vorstellen - am Tag des Sonnenlichts, und in der Nacht der künstlichen Beleuchtung oder des Mondlichts.

Und ein weiterer Unterschied ist Mitte November im Nordkeogramm zu erkennen: dort ist der Himmel von ca. 4 bis 5 Uhr morgens Rot: Hochreichende Polarlichter waren zu sehen.

Mittagsansichten  [↑]
Betrachten wir nun für jeden Tag um 12:00 Uhr (mittags) jeweils ein Bild der Himmelsansicht, die durch das Fischaugenobjektiv betrachtet wie eine Murmel wirkt:
 
 
Ansichten in höherer Auflösung:
→ Ein Monat pro Zeile
→ 7 Tage pro Zeile

Die Tage, an denen es zur Mittagszeit einigermaßen klar war, halten sich scheinbar die Waage mit den Tagen, an denen es komplett bewölkt war. Einzig im 4. Quartal überwiegen die bewölkten Tage. Dabei fällt allerdings Ende Dezember auf: 6 Tage mit klarem Himmel zur Mittagszeit am Stück stellt eine ungewohnte Ausnahme dar.

In den Ansichten mit der höheren Auflösung kann man zudem erkennen, ob Regentropfen auf der Haube der Himmelskamera liegen. Und an manchen bewölkten Tagen ist ein kreisrunder Halo um die Sonne zu sehen - dann nämlich, wenn hohe Eiswolken über uns ziehen. Mehr dazu weiter unten. Dies ist allerdings nicht mit der Spiegelung des Objektivs an der Haube der Himmelskamera zu verwechseln: diese erzeugt nämlich auch kreisrunde Ringe in den Bildern, allerdings immer an der gleichen Stelle: in der Bildmitte (vor allem bei klarem Himmel erkennt man dort immer zwei diffuse Ringe).

Mitternachtsansichten  [↑]
Betrachten wir nun die "Murmelansicht" für die Nacht, konkret um Mitternacht:
 
 
Ansichten in höherer Auflösung:
→ Ein Monat pro Zeile
→ 7 Tage pro Zeile

Im Vergleich zur Tagesansicht dürfte es ein paar Bilder mehr mit Bewölkung geben - bedingt durch Nebel, der - aufgrund der sinkenden Temperaturen und der damit einhergehenden steigenden relativen Luftfeuchte - zumeist nachts vorkommt.

Wenn der Mond an der gedachten vertikalen Linie steht, die durch die Bildmitte verläuft (dem Meridian), befindet er sich an seinem höchsten Punkt im Süden. Um Mitternacht steht der Mond nahe dieser Linie, wenn wir Vollmond haben. Daraus können wir herleiten, dass der Vollmond im Winter nachts sehr hoch am Himmel steht, während er im Sommer sehr tief am Horizont steht. Also genau umgekehrt als die Sonne. Bei Vollmond steht der Mond nämlich auf der der Sonne gegenüberliegenden Himmelsseite. Das verdeutlicht die Schrägstellung der Ekliptik - jener Bahnebene, in der die meisten Planeten und der Mond um die Sonne kreisen. Im Frühling und Herbst befinden sich Sonne und Vollmond an ihren höchsten Punkten ungefähr gleich hoch - da schauen wir auf die seitlichen Punkte der Ekliptik, die auf der gleichen Höhe liegen.

Auffällig in den Bildern in der höheren Auflösung ist zudem, dass im Sommer die Milchstraße besser zu erkennen ist. Das liegt daran, dass der Teil unserer Galaxie, den wir (in der Nordhalbkugel der Erde) im Sommer sehen, heller als der ist, den wir im Winter sehen: im Sommer sehen wir nachts nämlich das Zentrum unserer Galaxie. Dazu kommt, dass unser Sonnensystem im äußeren Drittel der Galaxie liegt. Wir schauen also im Sommer daher auf wesentlich mehr Schichten der Galaxie als zu anderen Jahreszeiten.

Gewitter  [↑]
Verlassen wir nun die festen Uhrzeiten der Himmelsansichten und wechseln zu händisch ausgewählten Zeitpunkten. Schauen wir uns eine Auswahl der Tage mit Gewitter an, wobei zumeist jeweils ein Bild ausgewählt wurde, der kurz vor dem Regen entstand:
 
 
Auffällig ist, dass die Gewitter am Tag klar überwiegen. Da die meisten Gewitter rund um den Sommer stattfanden, ist das - aus statistischen Gründen - auch so zu erwarten. Denn im Sommer sind die Tage wesentlich länger als die Nächte. Allerdings gab es 13 Gewittern am Tag und lediglich 3 in der Nacht, so dass die Tageslänge alleine nicht als Erklärung genügt. Hier liegt die Ursache für das häufigere Auftreten am Tag darin, dass durch die Sonneneinstrahlung und die Erwärmung des Bodens die Atmosphäre - vor allem nachmittags - am instabilsten ist, was die Entstehung von Gewittern begünstigt.

Schauen wir uns exemplarisch drei Himmelsansichten bei Gewitter in einer größeren Ansicht an:
 
 
Wie man erkennt sehen die Wolkenformationen - vor allem kurz vor Gewittern - oft sehr interessant aus. Manchmal entstehen dabei die spektakulären Mammatuswolken, wie z.B. am 11. Juli 2023.

Purpurlicht  [↑]
Schauen wir uns nun ausgewählte Dämmerungszeitpunkte an, an denen helles Purpurlicht beobachtet werden konnte. Die Sonne stand dabei zwischen 2 und 3,5° unter dem Horizont:
 
 
Damit dieses helle Purpurlicht auftritt, muss die Horizontseite, an der die Sonne gerade untergegangen ist bzw. bald aufgehen wird - wolkenfreie Stellen aufweisen. Nur so können genügend Lichtstrahlen der bereits unter dem Horizont liegenden Sonne - durch Streuung - die Wolken über unseren Standort erreichen. Mehr über die Entstehung von Purpurlicht ist in einem Beitrag vom Dezember nachzulesen.

Halos  [↑]
Kommen wir nun zu den Sonnenhalos und der Einordnung, wie der Himmel an haloreichen Tagen aussah:
 
 
Ansichten in höherer Auflösung:
Ein Monat pro Zeile
7 Tage pro Zeile

Auffällig ist, dass die Wolken zumeist eine milchig silbrige Färbung aufweisen und die Halos dabei am stärksten erscheinen, wenn der Himmel vollständig mit diesen Wolken bedeckt ist. Dabei handelt es sich um Wolken mit hohen Konzentrationen an Eiskristallen, die oft eine hohe Transparenz aufweisen.

Manchmal sind auch faserige Wolkenstrukturen zu erkennen, die spektakulär aussehen und hohe Konzentrationen an Eiskristallen tragen können. Diese bedecken aber oftmals nur kleinere Bereiche des Himmels, so dass es nur zu Fragmenten von Sonnenhalos an den jeweiligen Stellen des Himmels kommt.

Und manchmal treten nur ganz schwache oder gar keine Halos auf, obwohl eigentlich die "richtigen" Wolken über uns schweben. Das bloße Vorhandensein von Eiskristallen genügt leider nicht, damit Halos sichtbar werden. Die Eiskristalle müssen eine gewisse Gleichmäßigkeit und Qualität aufweisen. Denn erst wenn viele Kristalle die gleiche Struktur aufweisen, werden Halos an der Sonne bzw. am Mond sichtbar. Umgekehrt sorgen zu viele heterogene Kristalle dafür, dass das Licht in die unterschiedlichsten Richtungen verteilt wird und sich nicht auf einzelne Stelle "fokussiert".

Typischerweise braucht es Eiskristalle in Form von Plättchen, Stäbchen oder doppelter Pyramiden, um Halos zu erzeugen. Je nachdem wie diese (in der Mehrzahl) schweben und rotieren, entsteht unterschiedliche Haloarten.

Meistens sind auch normale Wolken (in tieferen Höhen) unterwegs. Diese tragen allerdings keine Eiskristalle und blockieren die Sicht auf die Sonnenhalos.

Schauen wir uns exemplarisch einige Himmelsansichten bei Halos in einer größeren Ansicht an. Dabei sind zumeist der 22°-Ring zu erkennen und manchmal auch die Nebensonnen und der Zirkumzenitalbogen:
 
 
Wer Interesse an der Beobachtung von Halos hat, findet auf Wikipedia ein Diagramm des Himmels mit den Richtungen, an denen man suchen muss und kann zudem in der detaillierten Auflistung aller Haloarten auf der Seite des Arbeitskreis Meteore e.V. mehr Details und Simulationen zu den jeweiligen Haloarten in Abhängigkeit von der Sonnenhöhe (bzw. Mondhöhe) finden. Wichtig bei der Suche im Himmel ist mit der Hand die Sonne abzudecken und nach Möglichkeit zusätzlich eine Sonnenbrille zu tragen, damit man nicht geblendet wird.

Himmelshelligkeit bei Nacht  [↑]
Betrachten wir zum Abschluss die Helligkeit des Nachthimmels, der mit einem speziellen Messgerät (einem sogenannten Sky Quality Meter) erfasst wird. Hierzu zunächst eine Erläuterung, an welcher Stelle des Himmels die Messung erfolgt - es ist die gelb schraffierte Fläche im 70°-Kreis (die 70° beziehen sich auf die Höhe über dem Horizont):
 
 
Das Messgerät erfasst einen Konus mit einem Kegel von rund 40° im Zenit. Es ist diejenige Stelle im Himmel, die in der Nacht am Dunkelsten ist. Tiefer am Horizont ist es aufgrund der Streuung des Lichts (vor allem der des künstlichen Lichts) wesentlich heller. Das lässt sich im obigen Bild nur ansatzweise erkennen, da die Vignettierung des Fischaugenobjektivs die Bildbereiche am Horizont verdunkelt. In Wirklichkeit ist es dort wesentlich heller, als es das Bild vermuten ließe.

Schauen wir uns nun die durchschnittliche Helligkeit am Zenit der ganzen Nacht im Jahresverlauf an. Als "Nacht" werden alle Momente gezählt, an denen die Sonne mindestens 16° unter dem Horizont steht - entgegen der normalen Definition der Nacht, bei der die Sonne mindestens 18° unter dem Horizont stehen muss. Wir wählen daher die 16° als Grenze, damit wir auch jene Sommernächte erfassen, an denen die Sonne die 18° Tiefe unter dem Horizont nicht erreicht. Da der Himmel bei uns in Idstein aufgrund der künstlichen Beleuchtung - selbst bei wolkenfreien Himmel - bereits bei einer Sonnentiefe von ca. 15 bis 16° unter dem Horizont seine maximale Dunkelheit erreicht (danach dominiert die Lichtverschmutzung), können wir die 16° Sonnentiefe ohne Verfälschung der Ergebnisse verwenden. An Tagen mit Wolken oder Nebel dominiert die Lichtverschmutzung sogar noch viel früher: wenn sich die Sonne zwischen 9 und 10° unter dem Horizont befindet, inmitten der nautischen Dämmerung.

Nun zur Grafik (höhere Werte entsprechen einem dunkleren Himmel):
 
 
Wichtig zu wissen: die Skala ist logarithmisch. Ein kleiner Unterschied bedeutet in Wirklichkeit ein großer Sprung in der Helligkeit.

Die jeweiligen Tage mit Vollmond werden mit einem weißen Kreis hervorgehoben. An den Nächsten um Vollmond herum kann der Himmel aufgrund des hellen Mondlichts nicht so dunkel wie an mondfreien Nächten werden - zumindest solange der Mond über dem Horizont steht.

Auffällig ist, dass die mondlosen Tage im Frühling und Sommer dunkler als die im Winter sind. Die Ursache ist die Lichtverschmutzung: im Winter wird es zu einer sehr frühen Zeit dunkel, in der viele Menschen künstliches Licht Draußen verwenden. Im Sommer hingegen wird es erst sehr spät dunkel, und da ist ein Teil der künstlichen Beleuchtung bereits ausgeschaltet.

Betrachten wir nun die Helligkeitsspanne des Nachthimmels pro Nacht, wobei wieder niedrige Werte einen helleren Himmel und höhere Werte einen dunkleren Himmel bedeuten:
 
 
Hier wird der Effekt der kurzen späten Nächte im Sommer gut ersichtlich. Die Nacht startet bereits mit einem dunkleren Himmel und sie endet auch bevor die Menschen wieder aktiv werden.

Zudem fällt auf, dass die Aufhellung durch den Mond im Winter stärker ausfällt. Dies hängt damit zusammen, dass der Mond im Winter wesentlich höher am Himmel steht und damit denjenigen Bereich des Himmels aufhellt, an dem wir messen (den Zenit). Hinzu kommt, dass das Licht eines im Sommer flach am Horizont stehenden Mondes durch den schrägen Lichteinfall von der Atmosphäre stärker abgedämpft wird.

Unabhängig vom Mond ist der Himmel an Nächten mit Wolken oder Nebel wesentlich heller als bei klarem Himmel. Die Wolken wirken dabei wie ein Spiegel und streuen einen Großteil des Lichts zu uns und zur Landschaft zurück. An den "hellsten" Momenten kann der Himmel dabei mehr als 100 Mal heller als an den dunkelsten Momenten werden. An gänzlich mondfreien Nächten ist der bewölkte Nachthimmel in den hellsten Momenten etwas mehr als 30 Mal heller als an den dunkelsten Momenten. Alle Betrachtungen beziehen sich dabei auf den Zenit. Tiefer am Horizont fallen die Vergleiche wesentlich dramatischer aus, da die Streuung des künstlichen Lichts dort deutlich stärker ist. Im Grunde können Lebewesen dann bei bewölktem Himmel nicht mehr zwischen Lichtverschmutzung und Mondlicht unterscheiden.

 
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